Archiv für Januar 2012

Die Blindheit der reinen Toleranz

Immer wieder wird nach Toleranz geschrien, Toleranz gegenüber sog. „Ausländern“, Toleranz gegenüber Muslimen, Toleranz gegenüber allem und jenem.

Die Kritik an dieser blinden Toleranz fängt schon beim Begriff an sich an: Toleranz wird als absolutes Masterprinzip dargestellt, welches sämtliche Herrschaftsprinzipien außer Kraft setzt, doch bedeutet Toleranz nicht mehr als etwas zu ertragen, (er)dulden (vgl. lat tolerare). Wer das nun bloße Ertragen von z.B. Homosexuellen als Grundstein einer emanzipatorischen Gesellschaft sieht, scheint die Befreiung in der Unterdrückung eigener Ängste und Vorurteilen zu sehen, anstatt sich von diesen loszulösen.

Weiters wird den zu tolerierenden Gruppen jegliche Legitimation als politische Individuen entzogen, möge die politische Einstellung noch so verwerflich sein, so soll sie trotzdem toleriert werden. So werden zum Beispiel durchaus zu verurteilende Äußerungen Jugendlicher, deren Kultur man ja tolerieren müsse oder inakzeptables Verhalten von aus der Gesellschaft Ausgeschlossenen, die ja keine Perspektive hätten, hingenommen, ignoriert oder gar gerechtfertigt.
Man muss nicht lange darüber philosophieren, um zu erkennen, wie fahrlässig und blind eine solche Einstellung ist, wird doch von den Verfechtern der Toleranz jedwede Kritik an ihren Schützlingen als „intolerant“ abgetan und so können zum Beispiel Nationalisten, Antisemiten und Rassisten offen ihre Ideologie ausleben.

Eine radikale Kritik darf sich keinen Relativierungen hingeben und aufgrund dieser ihre Argumentation einfahren, sondern muss gerade dann eingreifen, wenn Inakzeptables zum Gegenstand der Toleranz wird. Das bedeutet konkret, dass weder persönliche, noch religiöse oder kulturelle Hintergründe eine Legitimation für homophobes, rassistisches, sexistisches, antisemitisches, faschistisches oder anderes, nicht zu akzeptierendes Verhalten liefern dürfen!