Archiv für August 2011

Sie hätten wohl beim Pseudofranzösisch bleiben sollen

oder: Satireverachtung statt Gesellschaftskritik – die critique aujourd‘hui hat wieder gepostet

critique aujourd‘hui, die sich gerne mit dem Zusatz „Pseudofranzösisch statt Pseudokritik“ schmücken, haben mal wieder einen ihrer, auf eine ganz eigene Art und Weise unterhaltsamen, Artikel in die Weiten des Internets abgelassen. In diesem wird einem Kommentar des Users „opfer von allem“ zu einem Artikel der bonjour tristesse eine weitreichendere Plattform geboten, als dahingepfefferte Kommentare auf Blogs verdienen.
Der Text, der sich auf fast schon infantile Art über die satirische Glosse empört, diese ihres offensichtlich gewolten satirischen Zynismus beschuldigt, lässt sich in einem einzigen Satz zusammenfassen, auf den das „opfer von allem“ seine Theorien offensichtlich stützt und der einleuchtender nicht seien könnte: „Das das Gegenteil von Scheiße meist Scheiße ist, wird dem Betrachter auch hier schmerzlich bewusst.“
Es entspricht natürlich der Logik von Gegensätzen, dass diese sich gleichen, wie sonst sollten sie denn auch entgegengesetzt sein?
Ein wenig erinnert diese Argumentation auch an ein typisches Ressentiment aus der selbstverstandenen politischen „Mitte“, Nazis und Linksradikale seien „eh das gleiche“, sie unterschieden sich nur in ihrem Feindbild. Aber natürlich hat das „opfer“(1) Recht, wenn es behauptet, dass jene wenigen, die sich mit dem einzigen Staat solidarisieren, bei dem Selbstverteidigung von der (medialen) Öffentlichkeit als Aggression gewertet wird und der trotz seines Hintergrunds mit Deutschland in den 30er bis 40er Jahren verglichen wird, die selbe „Scheiße“ von sich geben würden, wie jene, deren Ziel offensichtlich die Vernichtung dieses Staates, wenn nicht sämtlicher Jüdinnen und Juden weltweit ist, schließlich gleichen sich Gegensätze ja, wie wir bereits festgestellt haben.
Auf den Rest dieses Ergebnis einer geistigen Selbstbefriedigung möchte ich nicht näher eingehen, genauso wenig auf das zusätzliche Kommentar der „Pseudofranzosen“.

Liebe critique aujourd‘hui, überlegt bitte das nächste mal, bevor ihr solche mittelklassigen Kommentare veröffentlicht, ansonsten bleibt doch lieber beim Pseudofranzösisch und überlasst die Kritik jenen, die fähig sind solche zu betreiben.

(1) Aus umgangssprachlicher Sicht bekommt diese Selbstbezeichnung eine ganz neue Bedeutung.